Die Leine ist gerade mal 2 Meter lang. Der Hund riecht etwas und möchte zu dieser verdammt gut riechenden Stelle kommen. Die Leine spannt sich. Der Mensch am anderen Ende schimpft mal wieder. „Verdammt, jetzt zieh doch nicht schon wieder!“ Und schon wird der Hund weitergezogen.
Ein paar Meter weiter bleibt er stehen und pinkelt. Kurz darauf schon wieder. „Wie oft willst du denn noch pinkeln? Jetzt komm endlich!“
Dann sucht der Hund nach einer geeigneten Stelle für sein großes Geschäft. Er schnüffelt und dreht sich, läuft weiter, schnüffelt dort noch mal und dreht sich im Kreis. „Jetzt mach doch endlich mal!“
Weiter geht’s nach der langen Tortur mit dem großen Geschäft. Der Hund schaut nach links, dann nach rechts und schnüffelt sämtliche Stellen ab. „Kannst du nicht einmal auf mich achten? Hallo? Ich bin auch noch da! Warum bitteschön ist alles andere interessanter?
Wie fair ist eigentlich das, was wir von unseren Hunden erwarten?
Fragt man Hundehalter nach ihrer Vorstellung vom perfekten Spaziergang, bekommt man häufig ähnliche Antworten:
Der Hund läuft entspannt neben seinem Menschen, zieht natürlich niemals an der Leine und bleibt möglichst immer in seiner Nähe. Schnüffeln darf er nur, wenn sein Mensch es erlaubt. Der Hund bleibt nicht einfach alle paar Meter stehen und achtet logischerweise von selbst darauf, wo und wie sich sein Mensch bewegt. Natürlich funktioniert das Ganze auch ohne Leine, ohne dass man das vorher groß trainieren muss. Und belohnen muss man ihn dafür natürlich auch nicht. Schließlich macht er das alles aus purer Liebe zu seinem Menschen!
Wisst ihr eigentlich, wie begrenzt die Welt unserer Hunde eh schon ist?
Wir Menschen können kommen und gehen, wie es uns passt. Wir können Freunde besuchen, durch die Geschäfte bummeln, einen Ausflug machen oder spontan irgendwohin fahren, weil wir gerade einfach Lust darauf haben.
Unsere Hunde können das eben nicht. Sie können nicht einfach beschließen, heute mal einen anderen Weg zu laufen oder den Nachbarhund zu besuchen. Wann sie das Haus verlassen dürfen, entscheiden wir. Und selbst dann bestimmen wir meistens, wo es hingeht und wie lange wir unterwegs sind.
Und jetzt denkt mal an die Hunde, die keinen Garten haben. Für die spielt sich das Leben außerhalb der eigenen 4 Wände fast ausschließlich während der Spaziergänge ab.
Aber was brauchen Hunde eigentlich?
Vor allem die Möglichkeit, sich wie Hunde zu verhalten. Und dazu gehört nun mal weit mehr, als einfach nur von A nach B zu laufen.
Nehmen wir das Schnüffeln. Hunde nehmen ihre Umwelt zu einem großen Teil über die Nase wahr. Während wir vielleicht einfach nur einen schönen Waldweg sehen, gibt es dort für unseren Hund eine ganze Menge zu schnüffeln. Zum Beispiel, welcher Hund vor ihm hier entlanggelaufen ist, welche anderen Tiere unterwegs waren oder was sich seit dem letzten Spaziergang verändert hat.
Über Gerüche erfahren Hunde wahnsinnig viel über ihre Umgebung. Und ganz nebenbei ist das Schnüffeln auch noch eine tolle Möglichkeit, sich geistig zu beschäftigen und etwas fürs eigene Wohlbefinden zu tun.

Auch das Erkunden und Beobachten ihrer Umgebung gehört zum natürlichen Verhalten unserer Hunde. Sie möchten sich bewegen, unbekannte Dinge untersuchen und manchmal einfach stehen bleiben, um sich etwas genauer anzuschauen. Selbst beim Pinkeln geht es nicht immer nur darum, die Blase zu entleeren. Über Urinmarkierungen hinterlassen Hunde auch Informationen für andere Hunde.
Wie viel Bewegung, Abwechslung oder neue Eindrücke ein Hund braucht, ist allerdings sehr unterschiedlich. Was dem einen riesigen Spaß macht, kann für einen anderen schon zu viel sein. Darum ist es wirklich wichtig, die Bedürfnisse des eigenen Hundes herauszufinden und zu schauen, womit er sich draußen wohlfühlt.
Mal ehrlich, wie oft geht man mit seinem Hund spazieren und beschäftigt sich nebenbei mit allem möglichen Quatsch, statt sich wirklich auf den Spaziergang und seinen Hund einzulassen?
Die einen schreiben ununterbrochen WhatsApp-Nachrichten, andere telefonieren den kompletten Spaziergang über und bei manchen läuft die Spotify-Playlist rauf und runter. Und dann gibt es noch diejenigen, die eigentlich nur möglichst schnell ihre Runde hinter sich bringen wollen, weil sie keine Lust haben, unter Zeitdruck stehen oder zu Hause noch tausend andere Dinge erledigen müssen.
Und jetzt nochmal zur ursprünglichen Frage: Wie fair ist das eigentlich, was wir von unseren Hunden erwarten?
Sehr oft ist es ziemlich unfair. Schließlich erwartet man von einem Hund häufig ganz selbstverständlich, dass er die Wünsche seines Menschen am besten schon im Voraus kennt. Am besten mittels hellseherischer Fähigkeiten.
Aber mal ehrlich, wie viel Rücksicht bekommt der Hund eigentlich zurück?
Man regt sich auf, weil der Hund zum dritten Mal an derselben Stelle schnüffeln möchte, weil er nicht schnell genug weiterläuft oder weil der Spaziergang länger dauert als geplant. Aber warum sind die eigenen Vorstellungen sogar während der kurzen Zeit des Spaziergangs immer wichtiger als die wenigen Möglichkeiten für den Hund, am Tag auch mal seinen eigenen Vorlieben und Interessen nachzugehen.

Wie lässt sich der Spaziergang eigentlich fairer gestalten?
Schau dir doch erst mal an, wie es deinem Hund draußen überhaupt geht. Fühlt er sich auf ruhigen Wegen wohl oder kommt er auch mit viel Trubel gut zurecht? Wie fit ist er, wie viel Bewegung braucht er und wie schnell wird ihm das Ganze vielleicht zu viel?
Such dir Strecken aus, auf denen sich dein Hund wohlfühlt. Wenn ihn viele Menschen, Hunde oder laute Geräusche überfordern, dann muss es doch nicht ausgerechnet die Runde durch die belebte Innenstadt sein. Es gibt schließlich auch ruhigere Wege, auf denen er seinen Spaziergang genießen kann.
Lauf nicht wie ein Zombie neben deinem Hund her! Steck das Handy in die Tasche, beschäftige dich zwischendurch mit ihm, mach ein kleines Spiel oder rennt einfach mal gemeinsam ein Stück durch die Gegend.
Natürlich könnt ihr unterwegs auch trainieren. Das heißt aber noch lange nicht, dass dein Hund während des gesamten Spaziergangs nur dich anschauen soll. Nutz gerne eine Schleppleine, wenn dein Hund nicht frei laufen kann. So hat er etwas mehr Radius, und zum Trainieren lässt sie sich ebenfalls wunderbar nutzen.
Hey, und wenn dein Hund etwas gut macht, dann belohn ihn ruhig dafür!
Und ganz wichtig: Hab Spaß mit deinem Hund! Mach auch mal ein bisschen Quatsch mit ihm und freu dich mit ihm.
Ein Hund, der während des gesamten Spaziergangs permanent seinen Menschen anschauen muss, ist für mich kein Beweis für besonders gute Erziehung. Das zeigt mir eher, welche absurden Erwartungen manche Menschen an ihre Hunde haben.

bin absolut deiner Meinung bei uns entscheidet der Hund welche runde wir gehen . manchmal brauchen wir ne halbe Stunde und das nächste Mal für die gleiche runde 1 Stunde
Nachdem ich mich darüber freue, wenn unser Hündin mich in Ruhe im Büro arbeiten lässt, wenn sie dabei ist, gehören die Spaziergänge zwischendrin ihr. Dann dauerts halt mal länger, wenn es irgendwie machbar ist.
Ich bin auch am liebsten ganz in Ruhe mit meinem Hund unterwegs. 🐾 Einfach die Natur genießen, den Hund beobachten und schauen, was er gerade braucht. Ohne Ablenkung kann man wunderbar vom Alltag abschalten, den Stress hinter sich lassen und die gemeinsame Zeit genießen. ❤️🍃